Speaker Tour : Talatou Boukari in Belgien

Talatou Boukari bei die lokalgruppe in Liège

Etwas erschöpft von seinen Reisen durch Schweden und die Niederlande, hat Talatou Boukari etwa dreißig Schüler zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren des königlichen Athenäums Léonie de Waha in Lüttich getroffen. Er erzählt ihnen aus seinem Leben und von seinem Kampf in Burkina Faso. Die Jugendlichen spielen die Moderatoren der Debatte : „Wo wohnen Sie ? Welches politisches Regime herrscht in Ihrem Land ?“ Die ersten Fragen sind schüchtern. Talatou Boukari antwortet mit Freude. Er spricht über seine Kindheit, seine Kultur und seine Arbeit als Goldwäscher. „Ich bin bis zum 6. Schuljahr zur Schule gegangen. Nach der Schule habe ich mich für das Goldwaschen interessiert. Das ist das, was ich kann.“ Sehr schnell dreht sich die Diskussion wieder um die Frage nach dem Grund seines Besuchs : „Ich vertrete die 11.563 DorfbewohnerInnen, die von einem kanadischen Unternehmen von ihrem Land vertrieben worden sind. Das Land, das unseren Vorfahren gehörte. Dank FIAN bin ich jetzt hier.“ Die Schüler sind aufmerksam und neugierig : „Wie kann man Ihnen helfen ?“. Die Antwort ist nicht einfach. Talatou Boukari hofft vor allem, dass man ihm zuhört. “Wenn Du sprichst und keiner zuhört, passiert nichts. FIAN verschafft uns Gehör. Wir wollen unsern Lebensunterhalt verdienen. Wir wollen unseren Kindern und Enkelkindern ein schönes Leben bieten.“ Die Begegnung, die eine Stunde dauert, endet in einer entspannten Atmosphäre. Nach einem Gruppenphoto richtet sich Talatou an die Klasse : „Ich hoffe, dass ich euch nächstes Jahr gute Nachrichten bringen kann !“ Und die ganze Klasse klatscht Beifall.

Die Lütticher Begegnungen gehen am Abend weiter, im Lütticher Zentrum Beau-Mur, mit der Vorführung des Dokumentarfilms „Wohlstand unter der Erde“ von Ronnie Ramirez. Die ersten Aufnahmen zeigen die schmalen Hände der Goldwäscher, im Hintergrund die großen Maschinen des Unternehmens. Später entdecken wir die vom Unternehmen gebauten Häuser, nahezu Ruinen. „Ich muss viel Mut aufbringen, um in diesem Haus zu leben“, so ein Bewohner. Der Film zeigt, was Talatou Boukari jedem erzählt, der es hören will. „Wir fühlen uns schlecht, wir fühlen uns verlassen, wir profitieren nicht von diesem Reichtum. Wir sind keine Rebellen, wir wollen essen. Sie sind dabei, die Zukunft unserer Enkelkinder zu zerstören“, fügt er hinzu. Im Publikum sind zwei Zuschauer aus Burkina Faso, die weder Talatou noch FIAN kennen. Nach der Vorführung ergreift einer von ihnen das Wort : „Was man in diesem Film sieht, stimmt. Ich habe das Unternehmen besucht. Es gibt ein neues Gelände in meiner Region, es ist das gleiche“. Die Debatte ist angeregt, wie am Morgen mit den Kindern - ein neugieriges und interessiertes Publikum.

„Man muss miteinander kommunizieren. Mit dem Unternehmen, der Regierung und den DorfbewohnerInnen, alle an einem Tisch. FIAN steht hinter uns und wir sind vorne.“ Das ist Talatou Boukaris Schlussfolgerung. Ein erforderlicher Dialog, den er erhofft, bei seiner Rückkehr in Burkina Faso führen zu können.

Hélène Molinari, freelance journaliste

Ouagadougou – Brüssel – Amsterdam – Stockholm – Brüssel – Ouagadougou

Mittwoch, 20. März, 15 Uhr 40, es ist soweit, „Talatou ist da“ ! Fast hätten wir nicht mehr dran geglaubt. Tatsächlich ist seit dem letzten Besuch von FIAN Burkina Faso und FIAN Belgium in Essakane im November 2012 viel passiert und Talatous Besuch in Europa war lange nicht beschlossene Sache. Zwischen der Datenverschiebung der Speaker’s Tour, der schwierigen Vollendung der ersten FIAN-Veröffentlichung über Essakane, den Visum-Problemen, der Notwendigkeit sicherzustellen, dass sein Besuch einen positiven Einfluss auf die Fallarbeit haben wird usw. mussten wir uns alle zweimal mehr Mühe geben, damit die Speaker’s Tour Wirklichkeit wird !

Donnerstag, 21. März, 7 Uhr 52 wird Talatous Zug Richtung Lüttich angekündigt. Talatou ist zum allerersten Mal in Europa – der Schock ist groß ! Vor knapp 16 Stunden ist seine Maschine in Zaventem auf den Boden des alten Europas gelandet, und schon ist er auf und ab den Schnellzug zu nehmen, um das Land zu verlassen und in den Niederlanden empfangen zu werden. Die Zeit ist gekommen für die letzten Fragen und Ratschläge. Talatou nimmt alles wie ein Profi auf und ist sich dessen bewusst, dass er im Namen jeder der 11.563 vertriebenen Personen in Essakane hier ist. Er steigt in den Zug, in seiner Tasche die von ZIN TV soeben fertig gestellte DVD des Dokumentarfilms sowie seine Notizen für die geplanten Treffen mit Politikern.

Dienstag, 26. März, 22 Uhr 40, Talatou kommt in der Ankunftshalle von Zaventem an. Letzte Woche noch war er noch nie in ein Flugzeug gestiegen, heute sind Flughafen keine Geheimnisse mehr für ihn, auch wenn das Fliegen über die Wolken für ihn noch immer einem Wunder gleicht. Es ist ein müder aber leidenschaftlicher Vertreter der wieder belgischen Boden betritt, nachdem er 4 Tage in den Niederlanden und 3 Tage in Schweden verbracht hat. Seine Auswertung ist bereits sehr positiv ! Für ihn war vor allem das von FIAN Schweden organisierte Treffen mit einem schwedischen Pensionsfonds, Aktionär von Essakane IAMGOLD S.A. sehr wichtig. Doch wir zwingen uns, die Debatte zu unterbrechen, denn morgen geht es weiter nach Lüttich !

Donnerstag, 28. März, 13 Uhr 52, Manu und Talatou kommen am Hauptbahnhof in Brüssel an. Die 2 Tage in Lüttich waren ein großer Erfolg, trotz Talatous steigender Müdigkeit. Zum Glück ist jetzt Wochenende ! Ein Treffen mit den Experten-Organisationen der belgischen Zivilgesellschaft (Justice&Paix und GRESEA) im Bereich Minenabbau steht für den nächsten Tagen auf der Tagesordnung, im Anschluss die Vorführung des Filmes „Wohlstand unter der Erde“ in Brüssel.

Montag, 1. April, 19 Uhr, Talatou kommt mit dem Zug aus Eupen in Brüssel an. Er erzählt uns vom Festival, vom Schnee und von den Aufführungen. Treffpunkt morgen früh, um das Treffen mit dem Botschafter von Burkina Faso in Brüssel zu planen.

Mittwoch, 3. April, da sind wir wieder im Flughafen von Zaventem, die Maschine nach Ouaga hat keine Verspätung, geplante Abflugszeit : 17 Uhr 40. Wir haben gerade Zeit die Tagesausgabe des Grenz-Echo zu kaufen, die ein Viertel Seite an Talatous Geschichte (samt Foto) widmet, und einzuchecken. „Es hat alles sehr gut geklappt ! Ich habe so viel zu erzählen in Essakane. Viele Begegnungen, Entdeckungen, große Augenblicke, … Ich bin mir sicher, dass das was verändern wird. Vielen Dank für eure Unterstützung !“