Internationale Organisation für das Mensenrecht auf Nahrung

Eilaktionen - FIAN Belgium

September 2012
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Empört euch und werdet aktiv

Eine geplante Gesetzesnovelle der brasilianischen Verfassung, PEC 215, macht es den Indigenen in Brasilien noch schwerer ihr traditionell bewohntes Land zurückzuerlangen.

Die Vereinigung brasilianischer Richter für Demokratie verurteilt die Gesetzesnovelle und lehnt sie ab. Die Richter haben eine Petition initiiert, welche die Präsidentin Dilma Rousseff auffordert, den indigenen Bevölkerungsgruppen ihre verfassungsmäßigen Rechte zu garantieren und entsprechend die Grenzen des ihnen zustehenden Landes festzulegen. Die Petition wird ebenfalls dem obersten Gerichtshof, dem Präsidialamt, dem Senat und der Abgeordnetenkammer Brasiliens vorgelegt. FIAN International und FIAN Belgium unterstützen die Forderungen.

Unterstützen Sie die Indigenen in Brasilen, indem Sie die Petition in Ihrem und im Namen Ihrer Organisation auf der Internetseite http://www.causaindigena.org/ unterschreiben! Bitte leiten Sie die Petition auch an Ihre Mitglieder oder Bekannten weiter. Die Indigenen in Brasilien sind auf breite Unterstützung angewiesen, um ihr Land erfolgreich zurückzufordern.

Hintergrundinformationen:

Die brasilianische Verfassung von 1988 sah die Demarkation des gesamten indigenen Landes innerhalb von fünf Jahren vor. 24 Jahre später ist man weit davon entfernt: von den 1046 indigenen Gebiete sind lediglich 363 abgegrenzt. Für 348 weitere Gebiete ist der sehr langwierige Prozess der Demarkation noch nicht einmal eingeleitet worden. Die Kommission für Verfassung und Justiz des brasilianischen Kongresses hat Ende letzten Jahres eine Gesetzesnovelle der Verfassung, die PEC 215, verabschiedet. Bisher war die Demarkation und Rückerstattung des Landes Aufgabe des Präsidenten der Republik. Die Gesetzesnovelle sieht vor, dass jede Demarkation nun ebenfalls von den Senatoren und Abgeordneten bestätigt werden muss. Angesichts des mehrheitlich gegen die Interessen der Indigenen ausgerichteten Kongresses, wird die Gesetzesnovelle, dem Indigenen-Missionsrat (CIMI) zufolge, den Prozess der Demarkation zum Stillstand bringen.

Die Guarani-Kaiowá gehören zu den indigenen Gemeinschaften, die verzweifelt auf die Rückerstattung eines Teiles des ihnen zustehenden Landes hoffen. Ihre Situation ist eine wahrhafte Tragödie. Seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts haben sie 90% ihrer im Bundesstaat Mato Grosso do Sul gelegenen Gebiete verloren. Ihr Land ist heute in den Händen von Viehzüchtern, Sojabauern und Zuckerrohrunternehmen, welche die Gebiete größtenteils entwaldet haben. Die Guarani-Kaiowá leben in abgegrenzten und engen Reservaten oder in behelfsmäßig errichteten Lagern am Rande großer Autobahnen, auf dem Land, das ehemals ihnen gehörte. Ihre Lebensbedingungen sind dramatisch. Seit 2005 sind mehr als 100 Kinder an Unterernährung gestorben. Die Guarani-Kaiowá sind die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Selbstmordrate des gesamten Landes. Einige Gemeinschaften waren es leid auf die, eigentlich verfassungsmäßig festgeschriebene, Rückerstattung ihres Landes durch die staatlichen Stellen zu warten. Sie haben entschieden in ihre ursprünglichen Gebiete zurückzukehren und dort ihr traditionelles Leben fortzuführen. Dort werden sie jedoch regelmäßig Opfer von Gewalttaten, Verfolgung und sogar Mord. Aktuellstes Beispiel: am 10. August 2012 hat eine bewaffnete Gruppe die Gemeinschaft der Guarani-Kaiowá in Arroio Korá angegriffen. Ihr Land war 2009 offiziell als indigenes Land anerkannt worden, jedoch ohne die Zustimmung der nicht-Indigenen. Ein Kind wurde getötet und ein Mann wird seit dem vermisst.

FIAN, als internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung, unterstützt seit 2005 die Guarani-Kaiowá in Brasilien.